Wie ich den König von Bayern verführte

Als ich etwas älter wurde, ging ich noch Zigarre rauchend mit meinem grünen Papagei auf der Schulter und den zwei rassigen Windhunden an der Leine durch die Straßen von San Francisco. Es war mir wichtig immer aufzufallen; dass sich die Leute über mich die Mäuler zerissen, das scherte mich nie wirklich. Mein ganzes Leben war geprägt von Skandalen, Rausschmissen und Affären. Selbst vor dem bayerischen König Ludwig I. machte ich nicht halt und verdrehte ihm gehörig den Kopf. Der alte Gockel, wenn ich noch an den denke… Ihn um den Finger zu wickeln war mir ein leichtes.

Mit meinen damals 25 Jahren und meiner angeborenen Schönheit gepaart mit reichlich forschem Auftreten, dauerte es nicht lange (eigentlich nur einen guten Monat) und er fraß mir förmlich aus der Hand. Blind vor Liebe bekam ich von ihm alles was ich wollte, ein Palais in der Barerstr. in München und ein Vermögen, von dem ich standesgemäß leben konnte. Selbst einen Adelstitel, “Gräfin von Landsfeld” durfte ich mich alsbald nennen. Einmal am Tag besuchte er mich und ließ seine Staatsgeschäfte Staatsgeschäfte sein. Aber ich will an dieser Stelle nicht indiskret werden. Leider mißbilligten die Münchner die Affäre zwischen Ludwig und mir, wozu zu einem großen Teil mein provozierendes Verhalten in der Öffentlichkeit beitrug. Meistens hatte ich meine Reitpeitsche unter den Arm geklemmt und ging mit meiner Dogge rauchend durch den Stadtpark. Den Bogen allerdings überspannte Ludwig dann allerdings selbst, wollte er mich doch alsbald einbürgern. Der Rest ist schnell erzählt, damit will ich Sie nicht langweilen. Schlußendlich mußte Ludwig abdanken und ich wurde, wieder einmal, aus München verbannt, das Prozedere kannte ich ja bereits nur zu gut aus der Vergangenheit. Meine Rastlosigkeit führte mich dann in den kommenden Jahren durch verschiedene europäische Länder und irgendwann wollte ich auch die neue Welt kennenlernen. In San Francisco gefiel es mir dann so gut, dass ich mich dort niederließ. Und bei meinen Spaziergängen durch die Straßen der Stadt mußte ich noch lange an ihn denken, an unsere verliebten Treffen und die zerwühlten Bettlaken. Wer ich bin? Das wagen Sie nicht wirklich zu fragen, wo ich mir immer soviel Mühe gegeben habe, aufzufallen: Lola Montez ist mein Name, die fesche Lola.  Ludwig war, als sein Verstand wieder die Überhand hatte, nach dieser Zeit nicht mehr gut auf mich zu sprechen, einmal soll er sogar gesagt haben:”Welch ein Unglück, daß ich gerade an solch ein Weibsbild gerathen mußte. Während sie mir Liebe heuchelte, wollte sie nur Geld von mir; sie hat mich um zwei kostbare Dinge gebracht: um eine poetische Illusion und um meinen Thron.” Aber ein Brief von mir hat ihn schnell wieder besänfigt. Und wie man sich jetzt einen König angelt? Na, jetzt werden Sie aber indiskret!

Fast hätte ich es vergessen, mein Liebesnest gibt es heute noch: www.lola-montez.com

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